September (öffnen mit Doppelklick)

21.02.2014 09:52

September 

Es wird langsam ruhiger, die Völker bereiten sich auf den bevorstehenden Winter vor. Die Bruttätigkeit lässt nach und es wird Zeit, die letzten Korrekturen vorzunehmen. Die letzte Brut, die wir zum Auslaufen über das Absperrgitter gehängt haben, ist ebenfalls geschlüpft und die dunklen Waben können ausgeschieden werden. Sollten sie noch Honigreste enthalten, so werden diese ausgeschleudert und das Schleudergut als Futterhonig für das kommende Jahr zur Zuckerteigherstellung aufgehoben. Lohnt es sich nicht mehr, diese Waben auszuschleudern, weil es entweder zu wenig oder nur noch geringe Mengen vorhanden sind, so kann man sie wie im vorigen Monat beschrieben nochmals einem Volk in den Honigraum geben. Dabei kann man die Waben umdrehen, dass heißt: die Waben schräg mit den Oberträgern nach unten einstellen. Durch die nun entstandene falsche Zellstellung (die Zellen werden immer etwas schräg nach oben gebaut) werden die Futterreste schnell nach unten getragen. Die Auffütterung solchen Völkern hat man nur Arbeit und Ärger. Ich konnte immer wieder beobachten, dass die Völker, die ihre Bruttätigkeit frühzeitig eingestellt hatten, sich im nächsten Frühjahr zügiger entwickelten. Heute wissen wir, dass diese Völker auch weniger Milben haben, da sich die Milben nicht mehr reproduzieren können. Jetzt können wir uns hauptsächlich auf die Fluglochbeobachtung beschränken. Das Eintragen von Blütenstaub zeigt uns an, dass das Volk in Ordnung ist. Fliegen bei einem Volk noch Drohnen, kann es sich um einen späten Stillumweisler handeln. Wird die junge Königin noch begattet, so werden auch von diesem Volk die Drohnen abgetrieben. Wird sie nicht mehr begattet, so werden auch Drohnen mit überwintert. Als Züchter überwintere ich gerne solche Völker, da diese jungen unbegatteten Königinnen sehr spät im Frühjahr mit der Eiablage beginnen, aus denen zwar wieder nur Drohnen entstehen können, doch durch den verspäteten Beginn der Eiablage sind diese Völker unverbraucht und eignen sich bestens als Pflegevölker für eine Frühzucht. Natürlich müssen in den ausgewählten Vatervölkern schon gedeckelte Drohnen vorhanden sein, bevor man mit einer Frühzucht beginnen kann. Das erreicht man dadurch, dass die ausgewählten Vatervölker eng gehalten werden und am Rand des Brutnestes eine einmal bebrütete Drohnenwabe, die mit Honigwasser angesprüht wird, zugehängt wird. Das Einhängen einer Drohnenwabe mitten ins Brutnest ist daher sinnlos. Erst wenn das Volk durch die Enge früher als die übrigen Völker vermehrungsreif wird, werden Drohnen erzeugt. Zwar sind auch die Drohnen unbegatteter Königinnen und sogar die Drohnen Eier legender Bienen befruchtungsfähig, so wissen wir nicht welches Erbgut sie haben. Beobachtet man am Flugloch, dass halbfertige oder verkrüppelte Nymphen herausgezogen werden, sollte man diese genau ansehen. Sind Milben darauf, muss eine sofortige Behandlung erfolgen.  

Sind keine Milben zu sehen, handelt es sich meist um die letzten Brutzellen, die in Folge des Temperaturrückganges des Brutnestes ihre Entwicklung nicht mehr vollenden konnten. Hierzu noch eine Anmerkung: stellt man fest, dass bei der Auffütterung einige Völker ihr Futter nicht annehmen, ist ebenfalls mit größerem Varroabefall zu rechnen. Wird bei Völkern der Varroadruck zu hoch, geben sie ihr Sozialverhalten auf. Das heißt: keine Sammeltätigkeit - kein Abwehrverhalten bis zur Aufgabe der Brutnesttemperaturregelung. erst dann entstehen vermehrt verkrüppelte Bienen.

Für solche Völker ist ein Schwefelstreifen billiger als eine Behandlung. Wir haben vor Jahren auch noch versucht, solche Völker zu retten, die auch noch überwintern, aber dann im nächsten Frühjahr dahinvegetierten und die Ertragsstärke nicht erreichten. So hart es auch für manchen Bienenliebhaber klingen mag, sollten wir doch dazu übergehen, nur gesunde kräftige Völker einzuwintern und nicht jedes Volk unter allen Umständen aufzupäppeln und zu erhalten. Schon mein Lehrmeister gab mir einen Merksatz mit auf den Weg: "Von einem starken Volk erntest du Honig - von hundert schwachen bekommst du keinen Tropfen". Wenn es auch übertrieben klingen mag, so trifft es doch den Kern der Sache.